Hallo liebe Leser und Mitfiebernde!
Nein, ich bin nicht an Malaria erkrankt und musste das Bett hueten, ich hatte einfach innerhalb der letzten Woche keine rechte Gelegenheit, das Internet zu nutzen und habe nun daher wahrlich eine Menge zu berichten!
Beginnen moechte ich mit dem vorletzten Wochenende, welches ich mir Judith und vier weiteren Freiwilligen aus der naechstgroesseren Stadt im geschichtstraechtigen Cape Coast verbrachte. Diese fuer ghanaische Verhaeltnisse recht touristisch anmutende Kuestenstadt erlangte teils eher traurige Beruehmtheit als eine der Hochburgen des Sklavenhandels. Entsprechende Verliesse, in denen die Sklaven oft monatelang zu hunderten zusammengefercht auf die Schiffe warteten, welche sie in die neue Welt bringen sollten, lassen sich mit einem sehr mulmigen Gefuehl in der Magengegend im Cape Coast Castle bestaunen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Cape Coast sogar die Hauptstadt der Kolonie Goldkueste, wobei sich zuvor so ziemlich alle bedeutenden Kolonialmaechte irgendwann mal dort eingenistet und dann gegenseitig wieder vertrieben haben, bis schliesslich die Briten die Oberhand gewannen. Das Castle haben wir aber letztendlich erst an Tag 3 unseres Aufenthalts dort besucht. Wir hatten uns bereits am Freitagmorgen auf den Weg dorthin begeben, mittags erst mal unser Hostel gesucht, schliesslich auch gefunden und bezogen und dann den Buecherladen der Stadt gepluendert (na ja, nicht ganz, aber das war nach vergeblicher Suche in der Hauptstadt Accra (!) der erste wirkliche Buecherladen, den ich in diesem Land aufstoebern konnte, und auch wenn die Auswahl sehr bescheiden war, konnte ich etwas Lesenachschub ergattern).
Die erste Nacht in Cape Coast war dann eine der laengsten meines Lebens und eigentlich meine erste richtig miese Erfahrung in diesem Land! Direkt vor unserem Hostel fanden naehmlich die Feierlichkeiten einer ghanaischen Beerdigung statt. Beerdigungen sind hier immer regelrechte Partys, beginnen eigentlich immer Freitags und dauern dann bis Sonntagnacht. Dafuer wurden in dem hier beschriebenen Fall riesige Lautsprecherboxen aufgestellt, welche, vollkommen uebersteuert und in ohrenbetaeubender Lautstaerke die ganze Nacht (WIRKLICH die GANZE Nacht!!) das halbe Stadtviertel beschallten. Das ganze war so laut, dass es mit Stoepseln in den Ohren gerade nicht mehr wehtat (mal abgesehen davon, dass das ganze Gebaeude im Rhythmus des Bass mitschwang), ein Konzert der Red Hot Chili Peppers in der ersten Reihe stelle ich mir weniger laut vor!! Das wirklich aergerliche daran war, dass ab 22:00 Uhr wie sonst ueberall auch voellig tote Hose war, d.h. saemtliche Gaeste verliessen die Festzelte, allein zwei Maenner blieben, um den Computer staendig mit neuer Musik zu fuettern. Alle umlebenden Ghanaer haben vermutlich mehr oder weniger friedlich geschlafen (die muessen eh alle schon taub sein!!), einzig all die Touristen und Volunteers in den beiden danebenstehenden Hostels haben in dieser Nacht kein Auge zugetan. Dreimal habe ich mich in dieser Nacht mit den Managern unseres Hostels unterhalten, die wirklich total nett waren, unseren Unmut vollkommen nachvollziehen, leider aber nichts ausrichten konnten. Das sei nun mal Tradition so, damit alle die ganze Nacht ueber an den Verstorbenen denken. Na klar, als ob die Ghanaer schon vor hunderten von jahren Hifi-Anlagen zur Beschallung ihrer Beerdigungen benutzt haetten... Na ja, bloss gut, dass ich diesen Bericht nicht unmittelbar am naechsten Tag verfasst habe, da waere er sicher sehr viel boesartiger ausgefallen. Inzwischen kann ich schon darueber lachen und weiss nun, dass ich in Zukunft um ghanaische Beerdigungen wenn moeglich immer einen grossen Bogen machen werde!
Trotz durchwachter Nacht hielten wir an unserem Plan fest und begaben uns am darauffolgenden Samstag schon recht zeitig auf zum Kakum Nationalpark noerdlich von Cape Coast, wo man dank Haengebruecken in bis zu 40 Metern Hoehe einen Baumkronenpfad entlang gehen und den Regenwald teilweise von oben bewundern kann. Sehr beeindruckend, aber sicher nichts fuer Menschen mit Hoehenangst. :-) Und es waere auch interessant zu erfahren, wieviele Kameras und Fernglaeser inzwischen irgendwo auf dem Waldboden schlummern, denn da sollte man wirklich nix fallen lassen! Der Regenwald gehoert fuer mich zu den wunderbarsten Dingen, die ich hier hautnah erleben kann, wo ich doch Baeume und Natur und alles Gruene so liebe! Da wir wirklich puenktlich zur Oeffnung des Parks am Morgen dort waren, hatten wir zunaechst den Wald fast fuer uns, erst auf dem Rueckweg stroemten uns dann die Touristenmassen entgegen.
Nach diesem Ausflug, auf dem wir mal wieder erschreckend viele Deutsche getroffen haben, waren wir an diesem Tag eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen. Am Abend gab's gluecklicherweise dann keine Beerdigungspartymusik und wir haben erst mal richtig viel geschlafen. Am naechsten Tag stand dann die Besichtigung des Castles auf dem Programm, umrahmt von von aus Kaesesandwiches bestehenden Mahlzeiten (Kaese!!! Der fehlt mir hier so, und wenn ich dann mal in irgendeinem Restaurant etwas mit Kaese bestelle, ist es immer nur Schmelzkaese aus Oesterreich, aber immerhin!!!).
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