Samstag, 24. Januar 2009

Nachtrag zur Eastern Region

Hallo, nach unbeabsichtigt langer Funkstille melde ich mich endlich mal wieder. In den letzten Wochen wurden meinen Versuchen, einen neuen Post zu erstellen, immer wieder Steine in den Weg gelegt: sei es, dass ein Internetcafe ueberfuellt war, teilweise wieder saemtliche Verbindungen gestoert waren, dass ich waehrend des eiligen Schreibens einiger wichtiger Emails aufkommende Hals- und Kopfschmerzen verspuehrte und mich lieber Richtung Bett begab, oder dass ich letzteres gleich gar nicht wirklich verlassen konnte, weil mich Anfang der Woche eine Angina heimsuchte... Aber ich greife schon wieder vor und beginne lieber erst mal chronologisch an dem Punkt, bis zu dem ich vor 2 1/2 Wochen (!) gekommen war.
Damals schrieb ich aus Ho, der Hauptstadt der Volta Region. Dort hatten Judith und ich urspruenglich gar nicht uebernachten wollen aber eine Aneinanderreihung ungluecklicher Umstaende (einzeln genommen gibt's die hier taeglich, das nimmt schon gar nicht mehr wahr, aber gebuendelt koennen sie einem schnell den Tag versauern...), wie sich ewig nicht fuellen wollender Trotros, dann auch noch eine Panne mit viel Rauch, langen Zwischenstopp in einer "Werkstadt" und dann eher kriechendem Vorankommen auf den Strassen, zwang uns dann, schon dort Quartier zu beziehen, auch wenn die Stadt nicht wirklich sehenswertes zu bieten hat. Unser urspruengliches Ziel peilten wir dann am naechsten Vormittag an: Amedzofe, ein idyllisch gelegenes Dorf in den Bergen nahe der Grenze zu Togo. Dies war vermutlich die erste Ortschaft hier in Ghana, die sich in ihrem Erscheinungsbild wirklich vom sonstigen wellblechbedachten Einheitsbrei der suedghanaischen Doerfer und Staedte abhob. Hier stehen noch viele huebsche Steinhaeuser aus der Kolonialzeit, wobei hier uebrigens die Deutschen fuss gefasst hatten, was man an vielen Gedenktafeln und Wegbezeichungen erkennen konnte. Von den Bewohnern wurden wir sehr herzlich aufgenommen und es war mir schon fast peinlich, als wir immer wieder ueberaus freundlich gemeinte Saetze hoerten a la: "Oh, you are Germans? Then this is place YOUR place!" Na ja, scheinbar haben die Deutschen hier vor etwa 80 Jahren ausnahmsweise mal einen recht guten Eindruck hinterlassen. Die von ihnen errichteten Verwaltungsgebaeude werden heute zumindest dankbar als Raeumlichkeiten fuer ein College fuer angehende Lehrer genutzt, welches junge Menschen aus der weiteren Umgebung anzieht. Aus diesem Grunde geht es in Amedzofe doch ueberraschend lebhaft zu wenn man bedenkt, dass die Anfahrt ueber eine serpentinige Sand/Schotterpiste doch ganz schoen beschwerlich ist. Aber das schoenste an Amedzofe ist die Landschaft drumherum: die gruene Berglandschaft mutet beinahe schottisch an (so sagt man, ich selbst kenne Schottland ja auch nur von Fotos) und ich habe zum ersten Mal seit ueber drei Monaten mal wieder richtig frische Luft einatmen koennen. Leider leider konnte man nur eine Ahnung davon bekommen, wie atemberaubend die Aussicht von dort oben wirklich sein kann, da es jetzt in der Trockenzeit eigentlich immer trueb ist vom Staub des Harmattan, des aus Norden kommenden Wuestenwindes, der inzwischen ganz Ghana mehr oder weniger stark heimsucht.
Ein weiteres Highlight war die Unterkunft: im sog. Government Resthouse hatten wir ein riesiges Ferienhaus ganz fuer uns, inklusive grosser Terasse mit Blick auf den "Hausberg", den wir am selben Tag noch bestiegen haben. Da kam richtig Urlaubsfeeling auf. Unser Schlafzimmer war mindestens dreimal aber gefuehlte siebenmal so gross wie unser Zimmer in Akroso und im angrenzenden Wohnraum haetten wir locker eine riesige Party steigen lassen koennen. Und das ganze gab's fuer nur ca. 2.50 EUR pro Nase!! Na gut, unser Wasch- und Toilettenwasser mussten wir selbst in grossen, schweren Metalleimern mit herrlich quietschenden Henkeln schleppen, aber das rundete das Gesamtbild eigentlich erst richtig ab. :-)
Am naechsten Mittwochmorgen mussten wir aber schon wieder den Rueckweg antreten, um planmaessig am Nachmittag wieder Akroso zu erreichen.

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