Donnerstag, 16. Oktober 2008

Unser Compound

Hurra, heute sitze ich mal an einem erfreulich schnellen Computer und kann mich endlich mal etwas intensiver dem tagebuchschreiben widmen!

Seit fast einer Woche wohne ich nun schon in Akroso und habe mich recht gut eingelebt. Zu Beginn kam ich mir noch etwas verloren vor. Ich lebe hier gemeinsam mit Judith, einer weiteren Deutschen in einem grossen sog. Compound, einer Wohngemeinschaft von etwa 25 Einheimischen, wobei aber mindestens noch mal so viele Menschen hier taeglich ein und auszugehen scheinen! Das war zu Beginn sehr verwirrend, zumal sich zunaechst keiner so recht um uns Neuankoemmlinge gekuemmert hat und wir uns erst mal hartnaeckig durchfragen mussten, was nun eigentlich wo zu finden und wer ueberhaupt wer und mit wem verwandt ist. Unsere Gastmutter Emma hat hier immer alle Haende voll zu tun, wenn sie fuer eine Vielzahl der hier wohnenden kocht und wascht und baeckt. Aber wenn man mal eine ruhige Minute mit ihr findet, ist sie wirklich sehr nett und aufmerksam. Sofort in Herz geschlossen habe ich all die Kinder in unserem Compound. Es vergeht kaum eine Stunde zu Hause, ohne dass sich eine kleine Hand in die meine schiebt oder irgendjemand auf meinem Schoss sitzt und wir haben sehr viel Spass miteinander. Ich weiss schon jetzt, dass ich das nach meiner Rueckkehr in die Heimat vermutlich am meisten vermissen werde: staendig ein paar suesse Kinder um mich zu haben, die mir ganz ungeniert ihre ganze Zuneigung entgegenbringen. Das ist soooo ein wunderbares Gefuehl!!
Emma hat einen Sohn, Kofi (12) und zwei Toechter: Sakwa (15) und noch eine aeltere, die ich aber bislang nicht getroffen habe, weil sie irgendwo ausserhalb eine boarding school besucht. Ausserdem sind da noch Mary (10) und Ruth (9), deren Nichte Winniefred (3) und Neffe Jeff (3 Monate), Noah (14) und zwei weitere Kofis, die aber alle nicht in verwandtschaftlichem Verhaeltnis zu Emma stehen sondern irgendwie zu einer weiteren Familie im Compound zu gehoeren scheinen.
Die Familien leben in vier verschiedenen Haeusern bzw. Huetten um einen Hof herum, der von Dutzenden Waescheleinen durchkreuzt ist und auf dem staendig was los ist. Wir Volunteers haben unser eigenes Plumpsklo, dass nur von uns genutzt wird und ziemlich sauber ist. Allerdings hatte meine erste Begegnung mit einer der daumengrossen Kakerlaken dort zu einer ueberraschend lang anhaltenden Unterbindung meines Harndrangs am ersten Abend gefuehrt. ;-) Inzwischen erfolgt nach dem Dunkelwerden immer erst mal das Ritual des ausfuehrlichen mit der Stirnlampe Ausleuchtens des Klohaeuschens, um all das lichtscheue Riesenviehzeug zu vertreiben, bevor ich mich schliesslich mit einem etwas mulmigen Gefuehl hinsetze... :-)
Die Freiluft"dusche" (Dusche ist hier immer "bucket shower", d.h. man holt sich in einem grossen Eimer Wasser vom Brunnen, aus dem man dann mit einem kleineren Eimer was schoepft und sich froehlich damit bespritzt) ist ein etwa einen knappen Quadratmeter grosser Verschlag mit Fliessen am Boden und wird von allem im Compound genutzt, weswegen zu den Stosszeiten morgens und abends vor der Daemmerung teils grosser Andrang herrscht...

In unserem Dorf wohnen zur Zeit noch 5 (!) weitere Freiwillige aus Deutschland (natuerlich alles Maedels), was ich eigentlich eher bloed finde, schliesslich bin ich nicht nach Ghana gereist, um hier staendig Leute aus der Heimat zu treffen. Aber zum Glueck lebt bei uns im Compound mit Todd aus Boston auch noch ein Nichtdeutscher und damit auch jemand, mit dem man ordentlich Englisch reden kann (da das der Ghanaer doch sehr eigen ist!).

Habe gerade vergeblich versucht, ein paar Bilder hochzuladen. Da aber meine Internetyeit gleich wieder abgelaufen ist, werde ich das wohl auf's naechste mal verschieben muessen...

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