Blick von der Terasse vor unserem Zimmer
Cute little Winnie!!
Todd mit Winniefred
In der Salvation Army Church
schleimig umhuellte Kakaobohnen :-)
Mit einem reichlichen Zeitbudget im angeblich schnellsten Internetcafe der Umgebung kann ich heute endlich etwas mehr von meinen ersten zwei Wochen in diesem erstaunlichen Land berichten!
Unser erstes Wochenende hatten wir in Akroso bei unserer Gastfamilie verbracht. Da zeichnete sich schon ab, was uns die anderen, hier seit laengerem wohnenden Volunteers bereits angekuendigt hatten: hier ist wirklich nicht viel los und man tut gut daran, die Wochenenden grundsaetzlich fuer mehr oder weniger ausgedehnte Reisen zur Erkundung des Landes zu nutzen.
Das waere aber gleich am ersten Wochenende sicher nicht sonderlich nett unseren Gastgebern gegenueber gewesen und wir mussten uns ohnehin erst mal ein wenig einleben.
Am Samstag macht sich immer das gesamte Compound mit Kind und Kegel auf den Weg zu einer Kakaobohnenfarm und Judith und ich beschlossen kurzerhand einfach mitzukommen. Der Weg dorthin war schon mal schweisstreibend: ueber eine Stunde teils in der prallen Sonne! Aber die Landschaft hier ist wirklich atemberaubend!! Ich glaube, ich habe ganz viel Glueck, dass ich mit meinem Beduerfnis nach gruener Natur hier quasi im Urwald gelandet bin: Das ganze Dorf ist umgeben vom ueppigem Gruen verschiedenster Palmen- und Baumarten, dazwischen fliegen wunderschoene Schmetterlinge umher und verschiedenste Vogelarten. So stapften wir also, zunaechst ein paar alten Bahngleisen folgend, dann mehr oder weniger querfeldein durch den Wald Richtung Farm. Die Farm selbst war dann im Grunde auch nichts anderes als weiter Wald, nur dass eben vornehmlich Kakao-Baeume um uns standen. Die Kakaobohnen stecken in grossen gelben Fruechten und sind von einem glitschig-weissen, suessen Fruchtfleisch umgeben, das mich ein wenig an Litschis erinnerte. Nachdem die Fruechte vom Baum geschlagen und gesammelt wurden, schlugen die Maenner sie mit Macheten auf und wir begannen, die Kerne (bzw. Bohnen) herauszupulen, wobei man dabei nach Herzenslust das oben beschriebene Fruchtfleisch lutschen konnte. Fuer den Rueckweg wurde ein Taxi bestellt, da durchaus einige Kilo an Ernte zusammengekommen waren und auch noch Feuerholz gesammelt wurde. Das Taxi war ein uralter Opel Astra mit den gleichen Bezuegen, wie ich sie aus unserer alten Familienkutsche kannte. Da es gerade zu regnen begann, betand die stets um unser Wohlergehen bemuehte Gemeinschaft darauf, dass Judith und ich als erste mit im Taxi fuhren. Von unserer gut zwei Dutzend Menschen umfassenden Gruppe zwaengte sich denn auch fast die Haelfte (!) in die erste Taxifuhre: ein Fahrer, vier Personen auf dem Vorder- und sieben auf dem Ruecksitz!!! (Na gut, vier davon waren Kinder, aber trotzdem!!) Der Kofferraum war dagegen bis ueber den Rand mit schleimig-tropfenden Saecken mit Kakaobohnen, Bananenstauden, Feuerholz und Macheten gefuellt, wobei wir dreimal auf dem Weg zurueck ins Compound einiges an Fracht verloren. :-) Das war eine wirklich abenteuerliche Fahrt, aber fuer ghanaische verhaeltnisse offenkundig voellig normal...
Am Sonntag haben wir unsere Gastmutter Emma in die Kirche begleitet, weil mir jeder im Vorfeld nahegelegt hatte, das unbedingt mal mitzuerleben. Nun ja, ich habe mir sagen lassen, dass die Gottesdienste in verschiedenen Kirchen recht unterschiedlich ablaufen koennen. Nach unserem Besuch in der in Akroso ansaessigen Salvation Army Church hoffe ich instaendig, dass dem so ist!! Insgesamt machte alles einen sehr ausgelassenen Eindruck: eine kleine Blechblaskapelle aus Trompeten und Posaunen machte mit Unterstuetzung eines kompletten Schlagzeugs, grosser Trommel und Keyboards schon mal ordentlich Laerm und Stimmung. Von den Predigten (bzw. den Ansprachen, die ich dafuer hielt und die von mindestens drei Personen alternierend gehalten wurden) verstand ich zunaechst nichts, war eben alles in Twi. Aber Emma bemuehte sich von Zeit zu Zeit, uns einiges zu uebersetzen. Dazu sollte ich zunaechst erwaehnen, dass da neben der Blaskapelle noch ein riesiger Schreibtisch stand, hinter dem ein Mann sass und die ganze Zeit nichts weiter machte als... Geld zu zaehlen und Rechnungen und Quittungen zu erstellen!!! Das war es dann auch, worum sich der Gottesdienst in erster Linie drehte: ums Geld!! Etwa aller zehn Minuten wurde ein bestimmtes Lied angestimmt, waehrend dem sich jeweils einzelne Personen der Gemeinde erhoben und singend und tanzend Runden durch die Kirche tanzten um jedes mal, wenn sie an einer Art Spendenbox vorbeikamen, Geld einzuwerfen. Judith und ich mussten zum Glueck nur vereinzelt der Hoefligkeit wegen mitmachen, aber auch sonst wuerde ich hier nicht zu oft in die Kirche gehen - das waere mir schlichtweg zu teuer!! Bei einigen der temperamentvollen (und endlosen!!) Predigten fasste Emma den Inhalt kurz fuer uns zusammen: If you do not pay, God will not forgive you... HALLOOOO???? Na ja, der Herr hinterm Schreibtisch erhob sich dann regelmaessig, um die erstellten Quittungen und Rechnungen an die einzelnen Gemeindemitglieder zu verteilen. Nach zweieinhalb Stunden meinte Emma, wir koennten uns ruhig wieder auf den Weg nach Hause machen um Mittag zu essen. Der "Gottestdienst" war zwar noch im vollen Gange, aber ich hatte dann nicht wirklich das Gefuehl, etwas zu verpassen ;-)
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