Hallo!!
Obwohl das Internet-Cafe hier in Cape Coast eher den Anschein eines Computermuseums erweckt und man von USB-Schnittstellen zum Hochladen von Bildern nur traeumen kann, ist die Verbindung erfreulich schnell und das zum bisher guenstigsten Preis, den ich hier erlebt habe.
Aber von Cape Coast werde ich ein andermal berichten und hole lieber endlich die laengst faelligen Ausfuehrungen zu meiner Projektarbeit nach.
Wie in einem der frueheren Posts schon kurz erwaehnt, ist die Arbeit in der Preschool ganz schoen heftig! Ich hatte ja eigentlich eher so eine Kindergarten-Atmosphaere erwartet (zumal die Projektbeschreibung urspruenglich Singen und Spielen mit den Kindern als Hauptaufgaben angab), und eigentlich traegt meine Klasse auch die Bezeichnung "Kindergarden (KG) I", aber tatsaechlich handelt es sich in erster Linie um Unterricht, ein bisschen wie bei uns in der Grundschule, nur auf einem ganz anderen Level. Die Kinder laufen alle zunaechst die KG I und KG II, bevor sie dann in die Primary School (Grundschule) kommen. In meine Klasse gehen offiziell 90 (!!!) Schueler im Alter von 3 bis schaetzungsweise 7 Jahren, aber zum Glueck sind nie alle da, so dass ich in der Regel "nur" zwischen 70 und 80 Kinder vor mir sitzen habe (wobei allerdings jenseits einer Zahl von 40 Kindern Mengenunterschiede nur noch in 20er-Schritten signifikant zu sein scheinen...). Nun koennen die Kids abgesehen von Floskeln wie "Good Morning" und "How are you" ueberhaupt kein Englisch, weswegen ich ganz und gar auf die anwesenden Lehrerinnen zwecks Uebersetzung in Twi anwiesen bin. Und ja, eigentlich hat meine Klasse sogar zwei Lehrerinnen, Iva und Evelyn, wobei bislang erst an einem Tag beide anwesend waren. Frage ich nach der jeweils abwesenden Lehrerin, heisst die Antwort meist kurz "she is traveling". Inzwischen frage ich aber gar nicht mehr. Nun stellt sich freilich die durchaus berechtigte Frage, wozu ich ueberhaupt mit unterrichte, wenn die Klasse offenbar schon mit Lehrern versorgt ist, zumal ich von der Anwesenheit wenigstens einer Lehrerin abhaengig bin weil ansonsten die Klasse voellig verrueckt spielt. (Solange ich mich weigere, die Kinder mit dem Rohrstock zu schlagen, wird sich das vermutlich auch nicht aendern...) Nun habe ich traurigerweise das "Glueck", dass sowohl Iva als auch Evelyn einfach ziemlich schlechte Lehrer sind, so dass ich tatsaechlich ein kleine Bereicherung fuer den Unterricht darstelle. Und ich weiss selbst, dass ich ganz gewiss keinen besonders guten Unterricht mache!! Aber das "Lehr"konzept der Lehrerinnen scheint nur darauf zu beruhen, dass sie die Kinder alles einfach wiederholen lassen. Wenn ich ihnen also das ABC auf Englisch vorbete, plappern sie alles fleissig nach, inklusive der Tonhoehe und Betonung (und wenn ich mal kurz etwas ratlos "hmm" mache, wird auch das wiederholt!!!!). Ebenso verhaelt es sich mit den englischen Reimen und Liedern, die die Lehrer den Kindern bereits beigebracht haben: die Kids wiederholen alles artig, habe aber in der Regel keine Ahnung, wovon gerade die Rede ist, sondern reihen einfach die Silben aneinander. Hinzu kommt, dass das Englisch von Iva und Evelyn wirklich schlecht ist. Mal abgesehen von der teils richtig falschen Aussprache kann ich mit keiner von beiden auch nur ein normales Gespraech fuehren, weil ihnen einfach das Vokabular fehlt. Insofern bringt meine Anwesenheit in der Klasse wirklich was: von mir bekommen sie ein (wenn ich das bei aller Bescheidenheit mal sagen darf, schliesslich haben mir das die Muttersprachler hier bestaetigt) recht ordentliches Englisch zu hoeren und ich bemuehe mich gerade darum, einige Aussprachefehler wieder gerade zuruecken. Ansonsten schmeisse ich inzwischen weitestgehend den Unterricht allein, wobei wir taeglich muendlich das ABC durchgehen und schriftlich gerade beim Buchstaben g angelangt sind. Zahlenmaessig plappern die Kinder die Zahlen 1 bis 10 nach. Ich habe nun aber auch das selbsternannte "Tassen-Konzept" eingefuehrt, das heisst ich bemuehe mich gerade darum, die Bedeutung der Zahlen mit dem Anknuepfen an konkrete Objekte zu verdeutlichen ("Bring me two cups", who can show me six cups on the board" usw.) und bin gerade bei Ziffer 7 angelangt. Ausserdem verbringe ich taeglich insgesamt etwa eine Stunde damit, die ca. 60 Schiefertafeln fuer die Kinder vorzubereiten, indem ich Linien vorzeichne und den jeweils aktellen Buchstaben vorschreibe. Danach bin ich immer von oben bis unten mir Kreide bedeckt!! Von diesen voellig elementaren Methoden sind meine Mitlehrer bereits vollauf begeistert. Laesst das nicht tief blicken??!!
1 Kommentar:
Hallo Clara.
Hab gesehen, wie wenige Kommentare es hier so bei dir gibt - und dabei sind doch soo tolle Sachen hier zu lesen, die eigentlich kommentiert GEHÖREN!! Und da will ich dir gleich mal einen Gruß hier lassen!
Krass, daß das Schulkonzept derart im ... ist. Woher bekommen die Lehrerinnen eigentlich ihre Ausbildung? Aber jetzt ja zum Glück von dir =).
Friedi.
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